Die gute alte Zeit!

Vom Gotteslob und Rockmusik
(Diese Glosse fand ich kürzlich in meinen abgespeichderten Texten - wann hatte ich. das geschrieben?)

Ach ja, das waren Zeiten, als  die Leute noch zum Gottesdienst strömten, zur Bibelstunde und zum Gebet. Die Gemeinde war noch eine Insel der Glückseligen, und der Chor wurde begleitet von Gitarre und Mandoline. „Lieder der Kraft“ und  Scharnowski‘s  Liederbücher waren der Renner. „Herrliche Botschaft der Liebe“ klang durch die Gemeindehäuser und zu Hause vom Plattenspieler. Es war modernes Liedgut, und es erfreute jung und alt.
Doch plötzlich brach sie wie aus heiterem Himmel in die Gemeinden herein: Die Rockmusik: 

Die Frage aller Fragen hieß: Dürfen die Schwestern im Chor Hosen tragen? Oder bleibt man bei Rockmusik, wie bisher? Mancher Misston brach sich Bahn  und oft trat das Lob Gottes in den Hintergrund und die Kleiderordnung in den Vordergrund. Die Mode war in aller Munde :  Sind Hosen für Frauen nun von Gott erlaubt, ist es unkeusch sie zu tragen, oder sind sie eine Alternative zu den immer kürzer werdenden Röcken? 
Nun, die Chorbrüder hatten diese Sorgen nicht; sie mussten mehr darum kämpfen, überhaupt noch gesehen zu werden. Was war der Grund? Die Frisuren der Schwestern wurden immer höher, und manchen Bruder konnte man deshalb nur noch hören, aber nicht mehr sehen. Hochtoupierte Haare, Dutt und Halleluja-Zwiebel  versperrte ihnen den Blick zum Dirigenten. Das konnten sie nicht auf sich sitzen lassen und schon bald standen sie im Mittelpunkt der Gemeindediskussionen: Ihre Haare wurden immer länger und auch manche Bärte erreichten beachtliche Längen. Kann man rumlaufen wie die Beatles und dabei Gott ehren?
Als wäre dies nicht alles schon genug, zogen auch noch die Instrumente nach:
Das Akkordeon , auch Schifferklavier genannt, zog ein. Verband man mit diesem Instrument nicht sofort eine Hafenkneipe auf St.Pauli?  Gut, aber man spielte doch in der Gemeinde damit zur Ehre Gottes und es klang auch schön. Also wurde es in den Chor der göttlichen Instrumente aufgenommen. Das Problem war gelöst. 
Doch es kam noch schlimmer: Irgendwann kam jemand mit einer elektrischen Gitarre an. Jetzt brachen alle Dämme des guten geistlichen Liedgeschmacks - und dann noch diese Lautstärke! Vorbei war die Zeit des gepflegten ¾  Taktes. Chöre wurden von Bands abgelöst, Mandolinen von E-Gitarren, englisch!!!  wurde gesungen.
 Doch auch das war nicht alles: Eines Sonntagmogens stand ein Schlagzeug im Altarraum! Dass die Wilden in Afrika trommeln,  gehörte zu deren Kulturgut – aber eine Mülheimer Gemeinde mit Schlagzeug - die Welt war eingezogen und hatte alles fest im Griff. Gegen die Lautstärke mancher Gemeindestunde hatte dann selbst das Schlagzeug keine Chance mehr. 

Und der Pastor? Dem sollten wir auch kurz unsere Aufmerksamkeit widmen:
Der Arme stand zwischen den Fronten – immer wieder sprach er im Gottesdienst über die Liebe, doch bei der Musik hörte die Liebe bei manchem Gemeindemitglied auf.
Einerseits sollte er das Traditionelle pflegen, andererseits die Jugend um sich scharen. Er musste wichtige Fragen beantworten: Ab wann stellt man sich der Welt gleich? Was ist noch geistlich und was ist schon weltlich? Welche Lautstärke ist erlaubt? Welches Instrument? Kann man Gott mit Lippenstift preisen? Dämpft der Ohrring den Heiligen Geist? Wie hoch darf ein echter Mülheimer die Hände heben, um nicht seelisch zu werden? 

Ja, so ist es mir in Erinnerung. Da stand er dann im Gottesdienst - übrigens fast immer in einem dunklen Anzug, weißem Hemd und  silbergrauer Krawatte. Manchmal hatte er eine graue Einheitsweste an – alle Mülheimer Pastoren hatten solche Westen. Bestimmt hatte das irgendeine heilige Bedeutung - aber welche? Und wieviele Lieder die auswendig konnten. Offensichtlich musste man mindestens 100 Lieder aus dem Pfingstjubel auswendig können, um Pastor im Mülheimer Verband zu werden. Lag es vielleicht an der Weste und den Liedern, dass damals  Nachwuchsmangel herrschte? 
Aber auch an den Pastorenfrauen viel mir etwas auf: Ihr Dutt war immer etwas größer als der der anderen Schwestern – ein Zeichen besonderer Würde? Auch sonst gab sie sich sehr modebewusst in ihrem grauen Kostüm, das immer etwas grauer war, als das der anderen Schwestern. 
War das echt, oder hat man das von ihr erwartet? 

Ja, gute alte Zeit. Irgendwie war es schön, manchmal auch schön bedrückend. 
Ach, es gäbe noch soviel zu erzählen – von den harten Bänken, der Sprache Kanaans, der schönen Orgel und dem Harmonium -  doch genug.

Aber nochmal kurz zurück zur Musik. Wir haben noch gar nicht gefragt, was die Bibel zu alledem sagt. Spricht sie über geistliche und ungeistliche Instrumente, über Haarfarben und Hosen beim Gotteslob? Spricht sie über Musikstile und Geschmack? 
Ich suche Antwort und finde sie! Die Antwort heißt: „Alles was Odem hat, lobe den Herrn!“

Das sagte sie gestern, das sagt sie heute und das sollten wir jetzt auch weiter tun.



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