Zum Nachdenken anregen
Du bist die Frau des Pastors? Dann bist
du eine sogenannte Pastorenfrau, also eben eine Frau, die mit einem
Mann verheiratet ist, dessen Job der des Pastors ist.
Sollte er dann auch noch Pastor einer
Freikirche sein, kommen ein paar Besonderheiten hinzu. Freikirchen
sind teilweise sehr unterschiedlich, und doch haben sie eins
gemeinsam: Sie leben von einem hohen ehrenamtlichen Engagement ihrer
Mitglieder. Das ist in landeskirchlichen Gemeinden zwar auch üblich,
doch in Freikirchen deckt sich normalerweise die Anzahl der
Mitglieder ungefähr mit der Anzahl der Gottesdienstbesucher. Und
diese Mitglieder sind „aktiv“. Sie setzen sich an irgendeiner
Stelle ehrenamtlich ein, zusätzlich zum Gottesdienstbesuch. In
Freikirchen wird außerdem versucht, Karteileichen zu vermeiden und
alle Mitglieder zu ehrenamtlichen Tätigkeiten zu ermutigen und auch
einzusetzen.
Das gilt auch für die Pastoren und
ihre Ehefrauen. Dennoch haben sie einen etwas anderen Stand, denn sie
(die Pastoren) sind angestellt, sie bekommen ein Gehalt für ihren
„Dienst“.
Doch was ist mit ihren Ehefrauen? Wird
nicht oft ein hoher Einsatz auch von ihnen erwartet, da sie die Frau
an der Seite des Hauptangestellten sind? Natürlich ohne eine
entsprechende Entlohnung. Das ist nur selten im System vorgesehen.
Freikirchen leben von Spendengeldern ihrer Mitglieder, die nur
eingeschränkt für Personal vorgesehen sind.
Darum mal eine ganz persönliche Frage:
Wie erlebst du, liebe Leserin, deine
Rolle als Ehefrau eines Hauptamtlichen in einer Kirche oder
Freikirche?
Vielfach fühlt sich das Pastorenfrau -
Profil doch immer noch sehr überkommen an. Da gibt es immer noch
gewisse Erwartungen, wie eine Pastorenfrau zu funktionieren hat,
welche Rolle sie einzunehmen hat, welche Aufgaben sie in der Gemeinde
wahrnehmen sollte. Sie steht – wie ihr Mann auch, unter ständiger
Beobachtung, wird verglichen, eingeschätzt, eingeordnet. Das kann
sehr erschreckend wirken, aber auch als Herausforderung begriffen
werden. Denn auch die Vorteile sind nicht zu übersehen: Die Frau des
Pastors hat immer noch eine gesellschaftlich anerkannte Stellung.
Arbeitskreise und Gruppen, in denen sie mitarbeitet, sind sich sehr
bewusst, dass sie als Frau des Pastors auch immer bei ihrem Mann (und
damit indirekt auch bei der Gemeindeleitung) Sprachrohr für die
jeweilige Gruppe sein könnte.
Durch die Begegnung mit vielen Frauen
von Pastoren, die speziell in einem freikirchlichen Kontext arbeiten,
bin ich mit den unterschiedlichsten Geschichten konfrontiert worden.
Frauen zwischen ganzer Hingabe, Selbstaufgabe und Selbstaufopferung
bis zu Grabenkämpfen, Rebellion und Ausstieg bilden das große
Spektrum dieser Geschichten. Dazu kommen kriselnde und auch
scheiternde Ehen auf der einen Seite, Dienst für die Gemeinde Seite
an Seite mit dem Mann ihrer Träume auf der anderen – das Leben als
Pastorenfrau hat viele Gesichter.
Wie findet eine Pastorenfrau zu einem
eigenen Profil? Was ist erlaubt, was scheint schwierig zu sein, wo
liegen die größten Herausforderungen an der Seite eines Pastors? Wo
können wir zwischen dem ganz normalen Ehealltag und dem beruflichen
Alltag des Pastors trennen? Können wir überhaupt auseinanderhalten,
ob die vorhandenen Probleme mit uns als so verschiedene
Persönlichkeiten zu tun haben oder ob sie entstanden sind, weil wir
mit einem Pastor verheiratet sind? Und wie können wir in dem
Gesamterleben von Anspruch und Wirklichkeit zu einer eigenen
Identität finden bzw. in ihr leben?
Ohne Anspruch auf Vollständigkeit
möchte ich mit diesem Blog zum Nachdenken anregen, hoffe aber auch,
dass manche Leserin darin neben Verständnis auch Hilfe für die
eigene Situation findet und sich motivieren lässt, sich neu zu
definieren und letztendlich zu Erfüllung in ihrem Leben findet.

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