Wie wird man "Pastorenfrau"?
Ich hatte es so gewollt. Es hatte Menschen gegeben, die mich „warnen“ wollten:
„Wenn du einen Pastor heiratest, wirst du ihn teilen müssen. Er wird nie da sein, wenn
du ihn gerade am dringendsten brauchst. Er wird mehr Zeit in die Seelsorge und
Gespräche mit seinen Schäfchen investieren als in eure Ehe...“ Na und? Bei uns wird
das nicht so sein!
Wir studierten beide evangelische Theologie an einer Universität, bekamen während des Studiums bereits die ersten beiden Kinder und waren – da beide in der gleichen Situation waren – im Alltag gleichberechtigt in der Arbeitsteilung und Kinderversorgung. Das änderte sich nach Abschluss der Ausbildung meines Mannes: Er wurde Pastor und ich Hausfrau mit zu dem Zeitpunkt bereits drei kleinen Kindern. Denn für zwei Pastoren war die Dienststelle nicht vorgesehen und zu der Zeit auch im freikirchlichen Raum noch nicht üblich.
Trotzdem freute ich mich auf diesen neuen Lebensabschnitt. Ich freute mich auf Gemeindearbeit, die ich nun an vorderster Front mitgestalten dürfte, freute mich auf neue Menschen und Begegnungen. Doch zunächst sah der Gemeindealltag anders aus als ich es mir vorgestellt hatte. Wie sollte ich die Gemeinde bzw. die Menschen, die dazu gehörten, kennen lernen und mit dabei sein mit 3 kleinen Kindern an den Hacken? Mein Mann war ja der Pastor! Es war sein Job, nicht meiner! Und dieser Job wurde - wie in Freikirchen üblich, durch die Spendengelder der Mitglieder finanziert. Was irgendwie zu bedeuten schien, dass die Gemeinde ein Mitspracherecht an unserem Familienalltag hatte – so schien es mir zumindest. Das erste, was ich zu spüren bekam, waren die allabendlichen Abwesenheitszeiten meines Mannes. Gerade wenn die harte Phase in der Familie begann (Kinder ins Bett bringen – der ganze Abendwahnsinn junger Familien), begann seine Hauptarbeitszeit des Tages. Denn alle Ehrenamtler konnten sich ja erst nach ihrem säkularen Job in der Gemeinde engagieren. Das bedeutete, dass alle Sitzungen und Treffen natürlich erst nach 17 Uhr statt finden konnten. Auch Seminare, Bibelstunden, Gebetsstunden – Abendprogramm!
Ich selber kam da natürlich nicht vor. Mir blieb nur noch der Gottesdienst.
Sagen wir lieber: Die Gottesdienstzeit. Denn Gottesdienstteilnahme gab ́s für mich nicht mehr. Der Jüngste wurde noch gestillt, die anderen beiden Kinder gingen nicht freiwillig und ohne mich in die Kinderbetreuung – es war alles noch zu neu. Also saß ich die meiste Zeit des Gottesdienstes mit allen Dreien in irgendeinem Raum der Gemeinde. Es gab keine Ton - geschweige denn Bildübertragung des Gottesdienstgeschehens. Mein Mann konnte mich auch nie ablösen, denn er war ja derjenige, der gerade seinen Beruf ausübte. Es war seine Jobzeit. Und an dieser ersten Pastorenstelle gab es nur ihn, nur einen Pastor. Alternativ zu Hause bleiben? Auf keinen Fall! So hatte ich wenigstens die Chance, wenn der Gottesdienst endlich vorbei war, mit ein paar Leuten zu reden, Menschen kennen zu lernen, mich zu verabreden für die Woche.
Für mich begann eine schwierige Zeit in der Auseinandersetzung mit meinem eigenen Selbstverständnis: Wer bin ich überhaupt? Muss ich funktionieren, obwohl ich gerade nicht funktioniere? Für wen eigentlich? Wer hilft mir? Versteht mich überhaupt jemand? Ist damit mein Schicksal besiegelt? Aber: Ich hatte es doch so gewollt! Oder?
Dieser Beginn meiner eigenen Geschichte ist viele Jahre her. Ich war damals gerade erst 27 Jahre alt. Mein eigenes Durchkämpfen, mein Zurechtfinden und auf diesem langen Weg die eine und andere Erkenntnis haben mich in die entspannte Lage gebracht, in der ich mich heute nach gut 30 Dienstjahren befinde. Und natürlich hat sich glücklicherweise auch im freikirchlichen Raum vieles geändert. Sollte man
Wir studierten beide evangelische Theologie an einer Universität, bekamen während des Studiums bereits die ersten beiden Kinder und waren – da beide in der gleichen Situation waren – im Alltag gleichberechtigt in der Arbeitsteilung und Kinderversorgung. Das änderte sich nach Abschluss der Ausbildung meines Mannes: Er wurde Pastor und ich Hausfrau mit zu dem Zeitpunkt bereits drei kleinen Kindern. Denn für zwei Pastoren war die Dienststelle nicht vorgesehen und zu der Zeit auch im freikirchlichen Raum noch nicht üblich.
Trotzdem freute ich mich auf diesen neuen Lebensabschnitt. Ich freute mich auf Gemeindearbeit, die ich nun an vorderster Front mitgestalten dürfte, freute mich auf neue Menschen und Begegnungen. Doch zunächst sah der Gemeindealltag anders aus als ich es mir vorgestellt hatte. Wie sollte ich die Gemeinde bzw. die Menschen, die dazu gehörten, kennen lernen und mit dabei sein mit 3 kleinen Kindern an den Hacken? Mein Mann war ja der Pastor! Es war sein Job, nicht meiner! Und dieser Job wurde - wie in Freikirchen üblich, durch die Spendengelder der Mitglieder finanziert. Was irgendwie zu bedeuten schien, dass die Gemeinde ein Mitspracherecht an unserem Familienalltag hatte – so schien es mir zumindest. Das erste, was ich zu spüren bekam, waren die allabendlichen Abwesenheitszeiten meines Mannes. Gerade wenn die harte Phase in der Familie begann (Kinder ins Bett bringen – der ganze Abendwahnsinn junger Familien), begann seine Hauptarbeitszeit des Tages. Denn alle Ehrenamtler konnten sich ja erst nach ihrem säkularen Job in der Gemeinde engagieren. Das bedeutete, dass alle Sitzungen und Treffen natürlich erst nach 17 Uhr statt finden konnten. Auch Seminare, Bibelstunden, Gebetsstunden – Abendprogramm!
Ich selber kam da natürlich nicht vor. Mir blieb nur noch der Gottesdienst.
Sagen wir lieber: Die Gottesdienstzeit. Denn Gottesdienstteilnahme gab ́s für mich nicht mehr. Der Jüngste wurde noch gestillt, die anderen beiden Kinder gingen nicht freiwillig und ohne mich in die Kinderbetreuung – es war alles noch zu neu. Also saß ich die meiste Zeit des Gottesdienstes mit allen Dreien in irgendeinem Raum der Gemeinde. Es gab keine Ton - geschweige denn Bildübertragung des Gottesdienstgeschehens. Mein Mann konnte mich auch nie ablösen, denn er war ja derjenige, der gerade seinen Beruf ausübte. Es war seine Jobzeit. Und an dieser ersten Pastorenstelle gab es nur ihn, nur einen Pastor. Alternativ zu Hause bleiben? Auf keinen Fall! So hatte ich wenigstens die Chance, wenn der Gottesdienst endlich vorbei war, mit ein paar Leuten zu reden, Menschen kennen zu lernen, mich zu verabreden für die Woche.
Für mich begann eine schwierige Zeit in der Auseinandersetzung mit meinem eigenen Selbstverständnis: Wer bin ich überhaupt? Muss ich funktionieren, obwohl ich gerade nicht funktioniere? Für wen eigentlich? Wer hilft mir? Versteht mich überhaupt jemand? Ist damit mein Schicksal besiegelt? Aber: Ich hatte es doch so gewollt! Oder?
Dieser Beginn meiner eigenen Geschichte ist viele Jahre her. Ich war damals gerade erst 27 Jahre alt. Mein eigenes Durchkämpfen, mein Zurechtfinden und auf diesem langen Weg die eine und andere Erkenntnis haben mich in die entspannte Lage gebracht, in der ich mich heute nach gut 30 Dienstjahren befinde. Und natürlich hat sich glücklicherweise auch im freikirchlichen Raum vieles geändert. Sollte man
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